Es gibt Bücher, die verändern. Sie verändern das Bewusstsein, die Perspektive, sie machen geradezu die Sicht frei, um die Welt klarer und besser zu sehen. Dazu gehört definitiv das neue Buch „Trauma und Beziehungen“ von Verena König.
Ich kannte Verena König schon durch ihr erstes Buch „Bin ich traumatisiert?“ und ihren sensationell guten Trauma-Podcast auf Spotify „Kreative Transformation“. Sie ist für mich persönlich die beste „Vermittlerin“ zu dem Thema Trauma im deutschsprachigen Raum und ich mag es sehr, dass sie das Thema wirklich in die Mitte der Gesellschaft bringt. Denn genau da gehört es hin.

Ich beschäftige mich mit Trauma schon seit über zwei Jahrzehnten, da ich selber seit meiner Kindheit mit Traumaanpassungsstörungen lebe und ich immer versucht habe, das Entstehen und die Dynamik von Traumata in unseren Gehirnen, unserem Nervensystem und unserem Körper zu verstehen. Dies hat mir sehr dabei geholfen, mich selber zu begreifen und zu lieben. Ich kannte die einschlägige Literatur und habe beobachtet, dass Trauma bis vor einiger Zeit gar nicht in der Öffentlichkeit als etwas verstanden wurde, das uns alle betrifft. Es herrschte die Meinung, dass nur Menschen mir krassen Gewalt-, Kriegs-, oder Zwangserfahrungen unter Traumafolgestörungen leiden. Kaum eine/r konnte sich vorstellen, dass ein liebloses Aufwachsen, ein narzistischer Elternteil, Alkohol- oder Drogenmissbrauch einer frühen Bezugsperson, Verlusterfahrungen oder Trennungen auch Traumafolgen hinterlassen können.
Verena König schreibt auf der ihrer Internet-Startseite „Das Wissen über Trauma hat die Kraft, die Welt zu verändern“. Da stimme ich ihr zu 100 Prozent zu! Und daher freut es mich enorm, dass sie mit ihrem Buch und diesem Thema auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist, denn diese Buch muss eigentlich jeder Mensch gelesen haben.
Ich fasse hier mal für mich zusammen, was ich aus ihrem Buch gelernt und mir bewusst gemacht habe:
Das Leben ist Beziehung und der Schlüssel zur Traumaintegration liegt in unseren Beziehungen. Warum? Weil sich die Wirkung von Trauma eben genau in unseren Beziehungen zeigt: In unsere Beziehung zu uns selbst, unserem Körper, in den Beziehungen zu allen anderen Menschen und eben auch der Welt, der Umwelt und Natur.
Es gibt in uns ein soziales Nervensystem, das bei Menschen, die früh durch Bindungspersonen in ihrem Leben Trauma erlebt haben, latent hyperaktiv sein kann! Diese Menschen haben Probleme in ihren zwischenmenschlichen Begegnungen Sicherheit, Leichtigkeit, Klarheit und Verbundenheit zu finden und zu geben.
Es gibt ein Bindungssystem in uns, das unser Überleben von klein auf sichert. Dieses Bindungssystem kann entweder überaktiviert sein, oder deaktiviert oder es rotiert.
Das Lesen über dieses Bindungssystem hat mir extrem die Augen für mich und meine Beziehungen zu Menschen geöffnet und ich habe (endlich!) begriffen, dass meine frühen Erfahrungen mein Bindungssystem zu Menschen sozusagen „erschaffen“ haben. Ich habe verstanden, dass es oft überaktiviert ist und ich daher überangepasst auf andere reagiere, es allen recht machen will, perfektionistisch bin und meine Sicherheit in anderen finden will und nicht in mir. Oder es ist manchmal deaktiviert, so dass ich mich von Menschen fernhalte, sie anstrengend für mich sind, ich sie geradezu doof finde oder sie abwerte. Auch dieses Verhalten dient ausschließlich dazu, sich selbst in Sicherheit zu bringen, da man früh gelernt hat, dass man sich auf andere (Bindungen!) nicht verlasen kann, daher wird es als „Lösung“ einfach deaktiviert.
Schon beim Lesen habe ich in meinem Körper spüren könne, dass sich etwas in mir tief entspannt. Die Erkenntnis, dass Erfahrungen, die sehr lange zurückliegen, mein soziales Nerven- und Bindungssystem so „programmiert“ haben, dass ich noch heute – bisher unbewusst – wie im Autopilot-Modus darauf reagiere, hat mir geholfen, zu verstehen, dass real HEUTE gar keine Gefahr droht und alles gut ist. In mir arbeiten immer noch die alten Traumata und zwar in Form von einem „kaputtem“ Bindungssystem…
Die Lösung: Mehr in Bindungen gehen, die alte Wunden heilen. NICHT Bindung zu Menschen vermeiden, sondern im HEUTE Menschen in Liebe begegnen und keine Angst haben, sondern Vertrauen.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt meiner Lernerfahrung durch das Lesen des Buches. Es ist natürlich noch komplexer, als ich es jetzt hier für mich zusammengetragen habe. Doch das Tolle ist: Es ist verständlich und wirklich für jede/n zu begreifen und nachzuvollziehen. Ich kann es nur jeder Frau empfehlen, denn es erweitert das Bewusstsein über uns und unsere Mitmenschen enorm. Es ist so wertvoll für unseren Beziehungsalltag mit unserem Partner, unseren Freund*innen und Arbeitskolleg*innen. Und gerade für Mütter ist es wichtig, mit diesem Wissen ihre Kinder liebevoll, zugewandt und respektvoll in diese Welt zu begleiten.
Ein weises und heilendes Buch! Danke Verena König!
