Feministisches Unternehmertum – Meine persönliche Entdeckungsreise

Wow, ich habe mir gerade selbst so viel Rückenwind gegeben – für mein Business, und zwar feministischen Rückenwind. Ich habe erkannt, dass ich alle meine Unternehmungen, die ich in meinem Leben bisher hatte, immer nach feministischen Prinzipien gelebt und umgesetzt habe.

Die Entdeckung meiner unternehmerischen DNA

Mein Aha-Moment: Meine unternehmerische Identität war schon immer feministisch geprägt. Diese Erkenntnis kam jetzt, als ich mich tiefer mit dem Konzept des feministischen Unternehmertums auseinandersetzte. Plötzlich sah ich die rote Linie, die sich durch all meine beruflichen Entscheidungen zog – von meinen ersten Schritten in die Selbstständigkeit bis zu meiner Arbeit als Geschäftsführerin einer Meeresschutzorganisation.

Gleichstellung der Geschlechter, Parität, Inklusion statt Ausgrenzung, faire Bezahlung, transparente Prozesse und ethische Entscheidungen – diese Werte haben mein unternehmerisches Handeln seit jeher geprägt, noch bevor ich sie als „feministisch“ bezeichnet hätte.

Was bedeutet feministisches Unternehmertum?

Ich fragte eine KI nach einer Definition von feministischem Unternehmertum und bekam folgende gute Übersicht:

Kernmerkmale feministischen Unternehmertums:

  • Wertebasierte Entscheidungen: Keine Trennung zwischen persönlichen und geschäftlichen Werten; ethische Grundsätze durchdringen alle Unternehmensbereiche.
  • Flache Hierarchien: Partnerschaftliche Führungsmodelle statt hierarchischer Machtstrukturen; Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
  • Care-Arbeit wertschätzen: Anerkennung von Sorgearbeit als wirtschaftliche Grundlage; familienfreundliche Arbeitsbedingungen für alle Geschlechter.
  • Echte Diversität: Vielfalt als Stärke verstehen und systematisch fördern, nicht als Pflichtquote.
  • Ko-Kreation: Zusammenarbeit mit Kund*innen und Stakeholdern; partizipative Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen.
  • Intersektionalität: Berücksichtigung verschiedener Identitätsaspekte (Geschlecht, Herkunft, Klasse) und ihrer Wechselwirkungen.
  • Nachhaltigkeit: Vereinigung sozialer und ökologischer Verantwortung; langfristiges Denken statt kurzfristiger Gewinnmaximierung.
  • Ethisches Marketing: Verzicht auf manipulative Verkaufspraktiken; transparente und ehrliche Kommunikation.

Meine frühe Erfahrung mit patriarchalen Strukturen

Der frühe Entschluss zur Selbstständigkeit, ich war damals 28 Jahre alt, kam nicht von ungefähr. In meinen Anstellungen davor erlebte ich patriarchale Strukturen und einen starken kapitalistischen Fokus, der mir zutiefst widersprach. Ich spürte, dass ich so nicht arbeiten konnte und wollte. Der Wunsch, etwas nach meinen eigenen Werten zu gestalten, wurde zur treibenden Kraft für meinen Weg als eigene Chefin.

Feministische Prinzipien in der Praxis

Bei der Meeresschutzorganisation Bye Bye Plastik, die ich 2018 ins Leben rief und zusammen mit zwei anderen Frauen 2022 als gemeinnützige Organisation gründete, lebten wir feministische Grundsätze ganz praktisch:

  • Ein Team, das überwiegend aus Frauen bestand, sowohl in der Geschäftsführung als auch im Ehrenamt
  • Bewusste Entscheidungen gegen Ausbeutung in der Lieferkette – keine schlecht bezahlten Grafiker aus Asien oder umweltschädliche Merchandise-Produkte
  • Unabhängigkeit von fragwürdigen Sponsoren – wir nahmen nur Spenden an, die frei von politischem Druck waren
  • Entscheidungsfindung im Konsens statt durch Hierarchie

Auch in unseren früheren Unternehmungen – sei es der Verlag für Angelreiseführer oder das Kindermagazin, die beide mein Mann und ich gemeinsam betrieben – standen stets faire Bedingungen, angemessene Bezahlung und ein respektvoller Umgang mit allen Beteiligten im Mittelpunkt. Und natürlich Gleichberechtigung bei allen Entscheidungen.

Die Verantwortung unternehmerischer Entscheidungen

Eine Überzeugung hat mich von Anfang an stets begleitet: Es gibt keine Trennung zwischen geschäftlichen und persönlichen Werten. Jede unternehmerische Entscheidung wird von einem Menschen aus Fleisch und Blut getroffen – einem Menschen mit Werten und Überzeugungen.

Die Ausrede „Es war nur eine Geschäftsentscheidung, das hat nichts mit mir zu tun“ ist für mich einfach nur Selbstbetrug. Wer so denkt, verrät nicht nur die eigenen Werte, sondern schadet letztlich allen Beteiligten. Unternehmen sind keine abstrakten Gebilde – sie sind Ausdruck menschlicher Entscheidungen und Werte.

Die Abkehr von manipulativen Praktiken

In den letzten Jahren fühlte ich mich in der Coaching-Branche zunehmend unwohl. Ich beobachtete aggressive Marketingstrategien, die auf psychologischer Manipulation basierten – künstliche Verknappung durch ablaufende Timer, unrealistische Heilsversprechen („In 7 Tagen reich, schlank und glücklich!“) und Hochpreis-Angebote mit fragwürdigem Gegenwert.

Besonders weh tat mir zu sehen, wie Frauen andere Frauen in die „Falle“ lockten, sie manipulierten, um ihnen schlichtweg das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das empfand ich als regelrecht kriminell, und ich ahnte, wie viele Frauen hier missbraucht wurden zum Nutzen der heimtückischen Coachinganbieter*innen. Diese Praktiken wurden bei Frauen und auch Männern angewendet – ein Zeichen dafür, dass patriarchale Strukturen nicht an das biologische Geschlecht gebunden sind, sondern an verinnerlichte Wertesysteme.

Für mich war wieder klar (wie am Anfang meiner Berufstätigkeit): So will ich nicht arbeiten. Ich wollte Frauen nicht in eine „Verkaufsfalle“ locken, sondern sie ehrlich informieren, sie in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen und ihnen Zeit geben. Das hat mich schließlich dazu bewogen, mich nicht mehr als „Coach“ zu bezeichnen – ein Label, das mittlerweile für mich zu sehr mit diesen manipulativen Praktiken und Unseriösität verbunden ist. In diese „Schuhe“ passe ich nicht mehr hinein!

Die wahren Kosten des Handelns gegen die eigenen Werte

Natürlich hatte meine Entscheidung für ethisches, feministisches Unternehmertum im Coachingbereich einen Preis: Ich gewann in den letzten Jahren nicht so viele Klientinnen wie andere, die aggressive Marketingstrategien einsetzen. Doch ich frage mich: Wie würde es mir mit einem Ansturm von Kundinnen gehen, die ich wie der Rattenfänger von Hameln in meine Falle gelockt hätte?

Jeder Mensch, der gegen seine inneren Werte handelt, zahlt einen persönlichen Preis – oft unbewusst, aber nicht weniger real. Dieser innere Konflikt belastet uns, selbst wenn wir ihn zu ignorieren versuchen.

Auf der Suche nach feministischen Vorbildern

Bei meiner Recherche zu feministischen Unternehmen stoße ich auf verschiedene Beispiele, doch oft fehlt mir die vollständige Transparenz. Ein Unternehmen mag in Sachen Diversität und Gleichstellung vorbildlich sein – aber wie steht es um die ökologische Nachhaltigkeit seiner Produkte? Um faire Handelsbeziehungen? Um die gesamte Lieferkette?

Aus meiner Erfahrung als Geschäftsführerin bei Bye Bye Plastik weiß ich: Unternehmen, die sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen, denken oft ganzheitlicher. Sie berücksichtigen nicht nur ökologische, sondern auch soziale und feministische Aspekte.

Ein Aufruf zum Handeln

Ich glaube fest daran, dass wir alle – durch unser Konsumverhalten, durch unsere beruflichen Entscheidungen und durch die Art, wie wir unsere eigenen Angebote gestalten – die Welt mitgestalten können.

Wir haben die Wahl: Wir können mitspielen im System kapitalistischer und patriarchaler Strukturen, oder wir können neue Wege gehen. Wir können unsere Werte leben, auch wenn es manchmal bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Ich spüre jetzt nochmal sehr deutlich, dass es für mich gut war und ist, gegen den Strom zu schwimmen, aber dabei meine Haltung zu bewahren.

Ich würde gerne mehr über feministische Unternehmen erfahren, die ihre Werte konsequent leben. Welche Unternehmen kennt ihr, die wirklich für das stehen, wofür der Feminismus steht? Schreibt mir gerne und lasst uns Vorbilder finden und sichtbar machen, um zu zeigen, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist.

Das feministische Unternehmertum ist für mich mehr als ein Begriff – es ist ein Weg, meine tiefsten Überzeugungen in die Welt zu tragen und meinen Teil zu einer gerechteren, menschlicheren Wirtschaft beizutragen. Da bleibe ich auch in meinen Recherchen dran!

Kennst du feministische Unternehmen, die du bewunderst? Hast du selbst Erfahrungen mit feministischem Unternehmertum gemacht? Teile deine Gedanken in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch!