Schonungslos und frei

Darf man das? Schonungslos und ehrlich sein? Schonungslos und damit frei? Ich habe mehr und mehr Sehnsucht danach, denn ich habe das Gefühl, dass mich in der Welt da draußen so viel Unwahres umgibt. Es geht immer mehr um das vermeintlich „Richtige“, das „politisch und gesellschaftlich Korrekte“. Überall wird sorgsam abgewägt, was man noch sagen darf und vor allem wie. Klar, wir wollen niemandem auf die Füße treten, niemanden ausgrenzen und diskriminieren. Absolut richtig für mich. Aber dabei sind wir so unmarkant geworden, so gleich, so farblos. Und eben nicht mehr echt.

Alle haben zunehmend Angst, nicht mehr „mainstream“ und anerkannt, gar geliebt zu sein. Die Quantität der Follower und Freunde geht über alles, die Qualität steht hinten an. Und das Echte erst recht.

Der große Rückzug

Seit einiger Zeit ziehe ich mich immer mehr aus Social Media zurück. Eine Art „Kampf“, den ich seit fast zehn Jahren mit mir auskämpfe. Zu den Gründen, warum, komme ich noch… Aber was ich erst einmal sagen möchte ist, dass Social Media ein einziges Abziehbild unserer Konformität geworden ist. Und dass mich das kolossal langweilt!

Egal was dort in die Welt geschrien, geweint und performed wird, es ist zum überwiegenden Teil angepasst, lauwarm und vor allem viel Deko. Kein Wunder, denn der Algorithmus entscheidet darüber, was weitergetragen werden darf und was nicht. Nicht zu viel Haltung, gerne wenig Meinung und vor allem überaus korrekt in alle Richtungen. Da bleibt nur weich Gespültes, gut Aufgepepptes und vor allem nichts Kantiges zurück.

Alle spielen dieses Spiel mit und immer mehr leiden darunter. Aber es gibt anscheinend keinen Weg mehr zurück… Oder doch?

Die Entscheidung

Ich persönlich habe mich dafür entschieden, dieses Spiel nicht mehr mitzuspielen. Weil es mir nicht guttut. Weil es mein Nervensystem belastet. Weil es mir meine Energie raubt. Weil ich Lebenszeit verliere mit jeder Minute, die ich dort verbringe.

Ja, das hat Konsequenzen. Keine Follower, keinen neuen Buchvertrag? Keine Follower, kein Geld auf dem Konto? Keine Follower, kein Dach über dem Kopf? Was denken wir eigentlich, wenn wir aussteigen aus dem irren Social Media Zirkus?

Ich habe beschlossen, nichts mehr zu denken. Zumindest nicht darüber.

Schonungslos leben

Ich habe beschlossen, schonungsloser zu leben. Schonungsloser mir gegenüber. Mich nicht mehr zu schonen und in meiner Komfortzone auszuharren, mit Schreibblockade und dem Gedanken, dass sich keiner für mich und meinen „Senf“ im Kopf und Herzen interessiert.

Schonungslos gegenüber den vermeintlich „anderen“ da draußen, denen ich jetzt mein Ich und mein Sein zumute. Schonungslos meiner Angst gegenüber, der ich jetzt die Stirn biete.

Ich habe Bock auf Echtheit, auf Aussagen, auf Diskussion. Und ich habe keinen Bock mehr, mich nach außen als etwas zu verkaufen, das ich nicht bin.

Was wäre, wenn wir aufhören würden, uns permanent zu optimieren für die Blicke anderer? Was wäre, wenn wir stattdessen anfangen würden, uns zu zeigen – mit allem, was dazugehört? Mit den Zweifeln, den schlechten Tagen, den ungelösten Fragen, den Widersprüchen in uns?

Eine Einladung

Wir müssen uns nicht voreinander schonen. Und nicht permanent die schöne, glatte, faltenfreie Seite zeigen. Wir dürfen die Deko abhängen, die Girlanden und den Glitzer einpacken, und uns begegnen, wie wir sind.

Ich will mehr lesen und sehen, was mich berührt, was Ecken und Kanten hat, Auf und Abs, Kurven und Umwege, Sackgassen und Fluchtwege. Ich will echte Geschichten hören – die, die wehtun, die verwirren, die keine einfachen Antworten haben.

Vielleicht ist das der wahre Luxus unserer Zeit: Die Erlaubnis, unperfekt zu sein. Die Freiheit, zu scheitern und darüber zu sprechen. Der Mut, zu sagen, was ist, anstatt das zu zeigen, was erwartet wird.

Zeigt euch schonungslos und frei. Ich werde es.

„Trauma und Beziehungen“ -Ein Buch, das die Welt verändern kann!

Es gibt Bücher, die verändern. Sie verändern das Bewusstsein, die Perspektive, sie machen geradezu die Sicht frei, um die Welt klarer und besser zu sehen. Dazu gehört definitiv das neue Buch „Trauma und Beziehungen“ von Verena König.
Ich kannte Verena König schon durch ihr erstes Buch „Bin ich traumatisiert?“ und ihren sensationell guten Trauma-Podcast auf Spotify „Kreative Transformation“. Sie ist für mich persönlich die beste „Vermittlerin“ zu dem Thema Trauma im deutschsprachigen Raum und ich mag es sehr, dass sie das Thema wirklich in die Mitte der Gesellschaft bringt. Denn genau da gehört es hin.

Ich beschäftige mich mit Trauma schon seit über zwei Jahrzehnten, da ich selber seit meiner Kindheit mit Traumaanpassungsstörungen lebe und ich immer versucht habe, das Entstehen und die Dynamik von Traumata in unseren Gehirnen, unserem Nervensystem und unserem Körper zu verstehen. Dies hat mir sehr dabei geholfen, mich selber zu begreifen und zu lieben. Ich kannte die einschlägige Literatur und habe beobachtet, dass Trauma bis vor einiger Zeit gar nicht in der Öffentlichkeit als etwas verstanden wurde, das uns alle betrifft. Es herrschte die Meinung, dass nur Menschen mir krassen Gewalt-, Kriegs-, oder Zwangserfahrungen unter Traumafolgestörungen leiden. Kaum eine/r konnte sich vorstellen, dass ein liebloses Aufwachsen, ein narzistischer Elternteil, Alkohol- oder Drogenmissbrauch einer frühen Bezugsperson, Verlusterfahrungen oder Trennungen auch Traumafolgen hinterlassen können.

Verena König schreibt auf der ihrer Internet-Startseite „Das Wissen über Trauma hat die Kraft, die Welt zu verändern“. Da stimme ich ihr zu 100 Prozent zu! Und daher freut es mich enorm, dass sie mit ihrem Buch und diesem Thema auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist, denn diese Buch muss eigentlich jeder Mensch gelesen haben.

Ich fasse hier mal für mich zusammen, was ich aus ihrem Buch gelernt und mir bewusst gemacht habe:

Das Leben ist Beziehung und der Schlüssel zur Traumaintegration liegt in unseren Beziehungen. Warum? Weil sich die Wirkung von Trauma eben genau in unseren Beziehungen zeigt: In unsere Beziehung zu uns selbst, unserem Körper, in den Beziehungen zu allen anderen Menschen und eben auch der Welt, der Umwelt und Natur.

Es gibt in uns ein soziales Nervensystem, das bei Menschen, die früh durch Bindungspersonen in ihrem Leben Trauma erlebt haben, latent hyperaktiv sein kann! Diese Menschen haben Probleme in ihren zwischenmenschlichen Begegnungen Sicherheit, Leichtigkeit, Klarheit und Verbundenheit zu finden und zu geben.

Es gibt ein Bindungssystem in uns, das unser Überleben von klein auf sichert. Dieses Bindungssystem kann entweder überaktiviert sein, oder deaktiviert oder es rotiert.
Das Lesen über dieses Bindungssystem hat mir extrem die Augen für mich und meine Beziehungen zu Menschen geöffnet und ich habe (endlich!) begriffen, dass meine frühen Erfahrungen mein Bindungssystem zu Menschen sozusagen „erschaffen“ haben. Ich habe verstanden, dass es oft überaktiviert ist und ich daher überangepasst auf andere reagiere, es allen recht machen will, perfektionistisch bin und meine Sicherheit in anderen finden will und nicht in mir. Oder es ist manchmal deaktiviert, so dass ich mich von Menschen fernhalte, sie anstrengend für mich sind, ich sie geradezu doof finde oder sie abwerte. Auch dieses Verhalten dient ausschließlich dazu, sich selbst in Sicherheit zu bringen, da man früh gelernt hat, dass man sich auf andere (Bindungen!) nicht verlasen kann, daher wird es als „Lösung“ einfach deaktiviert.

Schon beim Lesen habe ich in meinem Körper spüren könne, dass sich etwas in mir tief entspannt. Die Erkenntnis, dass Erfahrungen, die sehr lange zurückliegen, mein soziales Nerven- und Bindungssystem so „programmiert“ haben, dass ich noch heute – bisher unbewusst – wie im Autopilot-Modus darauf reagiere, hat mir geholfen, zu verstehen, dass real HEUTE gar keine Gefahr droht und alles gut ist. In mir arbeiten immer noch die alten Traumata und zwar in Form von einem „kaputtem“ Bindungssystem…

Die Lösung: Mehr in Bindungen gehen, die alte Wunden heilen. NICHT Bindung zu Menschen vermeiden, sondern im HEUTE Menschen in Liebe begegnen und keine Angst haben, sondern Vertrauen.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt meiner Lernerfahrung durch das Lesen des Buches. Es ist natürlich noch komplexer, als ich es jetzt hier für mich zusammengetragen habe. Doch das Tolle ist: Es ist verständlich und wirklich für jede/n zu begreifen und nachzuvollziehen. Ich kann es nur jeder Frau empfehlen, denn es erweitert das Bewusstsein über uns und unsere Mitmenschen enorm. Es ist so wertvoll für unseren Beziehungsalltag mit unserem Partner, unseren Freund*innen und Arbeitskolleg*innen. Und gerade für Mütter ist es wichtig, mit diesem Wissen ihre Kinder liebevoll, zugewandt und respektvoll in diese Welt zu begleiten.

Ein weises und heilendes Buch! Danke Verena König!

Feministisches Unternehmertum – Meine persönliche Entdeckungsreise

Wow, ich habe mir gerade selbst so viel Rückenwind gegeben – für mein Business, und zwar feministischen Rückenwind. Ich habe erkannt, dass ich alle meine Unternehmungen, die ich in meinem Leben bisher hatte, immer nach feministischen Prinzipien gelebt und umgesetzt habe.

Die Entdeckung meiner unternehmerischen DNA

Mein Aha-Moment: Meine unternehmerische Identität war schon immer feministisch geprägt. Diese Erkenntnis kam jetzt, als ich mich tiefer mit dem Konzept des feministischen Unternehmertums auseinandersetzte. Plötzlich sah ich die rote Linie, die sich durch all meine beruflichen Entscheidungen zog – von meinen ersten Schritten in die Selbstständigkeit bis zu meiner Arbeit als Geschäftsführerin einer Meeresschutzorganisation.

Gleichstellung der Geschlechter, Parität, Inklusion statt Ausgrenzung, faire Bezahlung, transparente Prozesse und ethische Entscheidungen – diese Werte haben mein unternehmerisches Handeln seit jeher geprägt, noch bevor ich sie als „feministisch“ bezeichnet hätte.

Was bedeutet feministisches Unternehmertum?

Ich fragte eine KI nach einer Definition von feministischem Unternehmertum und bekam folgende gute Übersicht:

Kernmerkmale feministischen Unternehmertums:

  • Wertebasierte Entscheidungen: Keine Trennung zwischen persönlichen und geschäftlichen Werten; ethische Grundsätze durchdringen alle Unternehmensbereiche.
  • Flache Hierarchien: Partnerschaftliche Führungsmodelle statt hierarchischer Machtstrukturen; Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
  • Care-Arbeit wertschätzen: Anerkennung von Sorgearbeit als wirtschaftliche Grundlage; familienfreundliche Arbeitsbedingungen für alle Geschlechter.
  • Echte Diversität: Vielfalt als Stärke verstehen und systematisch fördern, nicht als Pflichtquote.
  • Ko-Kreation: Zusammenarbeit mit Kund*innen und Stakeholdern; partizipative Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen.
  • Intersektionalität: Berücksichtigung verschiedener Identitätsaspekte (Geschlecht, Herkunft, Klasse) und ihrer Wechselwirkungen.
  • Nachhaltigkeit: Vereinigung sozialer und ökologischer Verantwortung; langfristiges Denken statt kurzfristiger Gewinnmaximierung.
  • Ethisches Marketing: Verzicht auf manipulative Verkaufspraktiken; transparente und ehrliche Kommunikation.

Meine frühe Erfahrung mit patriarchalen Strukturen

Der frühe Entschluss zur Selbstständigkeit, ich war damals 28 Jahre alt, kam nicht von ungefähr. In meinen Anstellungen davor erlebte ich patriarchale Strukturen und einen starken kapitalistischen Fokus, der mir zutiefst widersprach. Ich spürte, dass ich so nicht arbeiten konnte und wollte. Der Wunsch, etwas nach meinen eigenen Werten zu gestalten, wurde zur treibenden Kraft für meinen Weg als eigene Chefin.

Feministische Prinzipien in der Praxis

Bei der Meeresschutzorganisation Bye Bye Plastik, die ich 2018 ins Leben rief und zusammen mit zwei anderen Frauen 2022 als gemeinnützige Organisation gründete, lebten wir feministische Grundsätze ganz praktisch:

  • Ein Team, das überwiegend aus Frauen bestand, sowohl in der Geschäftsführung als auch im Ehrenamt
  • Bewusste Entscheidungen gegen Ausbeutung in der Lieferkette – keine schlecht bezahlten Grafiker aus Asien oder umweltschädliche Merchandise-Produkte
  • Unabhängigkeit von fragwürdigen Sponsoren – wir nahmen nur Spenden an, die frei von politischem Druck waren
  • Entscheidungsfindung im Konsens statt durch Hierarchie

Auch in unseren früheren Unternehmungen – sei es der Verlag für Angelreiseführer oder das Kindermagazin, die beide mein Mann und ich gemeinsam betrieben – standen stets faire Bedingungen, angemessene Bezahlung und ein respektvoller Umgang mit allen Beteiligten im Mittelpunkt. Und natürlich Gleichberechtigung bei allen Entscheidungen.

Die Verantwortung unternehmerischer Entscheidungen

Eine Überzeugung hat mich von Anfang an stets begleitet: Es gibt keine Trennung zwischen geschäftlichen und persönlichen Werten. Jede unternehmerische Entscheidung wird von einem Menschen aus Fleisch und Blut getroffen – einem Menschen mit Werten und Überzeugungen.

Die Ausrede „Es war nur eine Geschäftsentscheidung, das hat nichts mit mir zu tun“ ist für mich einfach nur Selbstbetrug. Wer so denkt, verrät nicht nur die eigenen Werte, sondern schadet letztlich allen Beteiligten. Unternehmen sind keine abstrakten Gebilde – sie sind Ausdruck menschlicher Entscheidungen und Werte.

Die Abkehr von manipulativen Praktiken

In den letzten Jahren fühlte ich mich in der Coaching-Branche zunehmend unwohl. Ich beobachtete aggressive Marketingstrategien, die auf psychologischer Manipulation basierten – künstliche Verknappung durch ablaufende Timer, unrealistische Heilsversprechen („In 7 Tagen reich, schlank und glücklich!“) und Hochpreis-Angebote mit fragwürdigem Gegenwert.

Besonders weh tat mir zu sehen, wie Frauen andere Frauen in die „Falle“ lockten, sie manipulierten, um ihnen schlichtweg das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das empfand ich als regelrecht kriminell, und ich ahnte, wie viele Frauen hier missbraucht wurden zum Nutzen der heimtückischen Coachinganbieter*innen. Diese Praktiken wurden bei Frauen und auch Männern angewendet – ein Zeichen dafür, dass patriarchale Strukturen nicht an das biologische Geschlecht gebunden sind, sondern an verinnerlichte Wertesysteme.

Für mich war wieder klar (wie am Anfang meiner Berufstätigkeit): So will ich nicht arbeiten. Ich wollte Frauen nicht in eine „Verkaufsfalle“ locken, sondern sie ehrlich informieren, sie in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen und ihnen Zeit geben. Das hat mich schließlich dazu bewogen, mich nicht mehr als „Coach“ zu bezeichnen – ein Label, das mittlerweile für mich zu sehr mit diesen manipulativen Praktiken und Unseriösität verbunden ist. In diese „Schuhe“ passe ich nicht mehr hinein!

Die wahren Kosten des Handelns gegen die eigenen Werte

Natürlich hatte meine Entscheidung für ethisches, feministisches Unternehmertum im Coachingbereich einen Preis: Ich gewann in den letzten Jahren nicht so viele Klientinnen wie andere, die aggressive Marketingstrategien einsetzen. Doch ich frage mich: Wie würde es mir mit einem Ansturm von Kundinnen gehen, die ich wie der Rattenfänger von Hameln in meine Falle gelockt hätte?

Jeder Mensch, der gegen seine inneren Werte handelt, zahlt einen persönlichen Preis – oft unbewusst, aber nicht weniger real. Dieser innere Konflikt belastet uns, selbst wenn wir ihn zu ignorieren versuchen.

Auf der Suche nach feministischen Vorbildern

Bei meiner Recherche zu feministischen Unternehmen stoße ich auf verschiedene Beispiele, doch oft fehlt mir die vollständige Transparenz. Ein Unternehmen mag in Sachen Diversität und Gleichstellung vorbildlich sein – aber wie steht es um die ökologische Nachhaltigkeit seiner Produkte? Um faire Handelsbeziehungen? Um die gesamte Lieferkette?

Aus meiner Erfahrung als Geschäftsführerin bei Bye Bye Plastik weiß ich: Unternehmen, die sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen, denken oft ganzheitlicher. Sie berücksichtigen nicht nur ökologische, sondern auch soziale und feministische Aspekte.

Ein Aufruf zum Handeln

Ich glaube fest daran, dass wir alle – durch unser Konsumverhalten, durch unsere beruflichen Entscheidungen und durch die Art, wie wir unsere eigenen Angebote gestalten – die Welt mitgestalten können.

Wir haben die Wahl: Wir können mitspielen im System kapitalistischer und patriarchaler Strukturen, oder wir können neue Wege gehen. Wir können unsere Werte leben, auch wenn es manchmal bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Ich spüre jetzt nochmal sehr deutlich, dass es für mich gut war und ist, gegen den Strom zu schwimmen, aber dabei meine Haltung zu bewahren.

Ich würde gerne mehr über feministische Unternehmen erfahren, die ihre Werte konsequent leben. Welche Unternehmen kennt ihr, die wirklich für das stehen, wofür der Feminismus steht? Schreibt mir gerne und lasst uns Vorbilder finden und sichtbar machen, um zu zeigen, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist.

Das feministische Unternehmertum ist für mich mehr als ein Begriff – es ist ein Weg, meine tiefsten Überzeugungen in die Welt zu tragen und meinen Teil zu einer gerechteren, menschlicheren Wirtschaft beizutragen. Da bleibe ich auch in meinen Recherchen dran!

Kennst du feministische Unternehmen, die du bewunderst? Hast du selbst Erfahrungen mit feministischem Unternehmertum gemacht? Teile deine Gedanken in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch!

Die revolutionäre Kraft des inneren Kindes: Warum Selbsterkenntnis das Patriarchat verändert

Wichtig vorab: Ich will in meinem Blog mit der Bezeichnung „Frauen“ und „Männer“ nicht definieren oder festschreiben, was und wer diese Geschlechter sind und dabei andere Geschlechteridentitäten ausgrenzen. Ich möchte vielmehr damit aufzeigen, wie das „Frausein“ und „Mannsein“ in unserer patriarchalen Gesellschaft definiert und durch Rollenzuschreibungen normiert wird. Mir ist klar, dass es nicht „die“ Frauen und „die“ Männer gibt und die Label „Frau“ und „Mann“ sind beide im Patriarchat entstanden und geformt. Ich bin eine Frau, weiß, ohne körperliche Behinderungen, aufgewachsen und sozialisiert in Westdeutschland und seit meinem 39. Lebensjahr in Dänemark. Mir ist es wichtig, aus dieser Perspektive, aus meiner Geschichte heraus und mit meinen Erfahrungen zu schreiben.

Ich habe in den vielen Jahren der Aufarbeitung und Heilung meiner eigenen Lebensreise und durch die Begleitung von so vielen Frauen, die ihre Kraft und ihren Weg verloren hatten, eines erkannt: Wir Menschen sind alle so lange nicht wirklich erwachsen, bis wir uns innerlich aufgeräumt und unsere Prägungen, Verwundungen und Formungen durch andere und die Gesellschaft verstanden und integriert haben.

Das sehen wir derzeit besonders deutlich in der Weltpolitik, in der große kleine Jungs die Fäden in der Hand haben und im wahrsten Sinne des Wortes „nicht wissen, was sie tun“. Es bleibt nur Kopfschütteln und die Hoffnung, dass das bald vorbeigeht. Es geht aber nicht einfach vorbei, weil schon seit Urgedenken solche unreifen „Kinder“ an der Macht sind und sie selber gar kein Bewusstsein über ihr kindliches Verhalten haben.

Doch dieses Thema gilt nicht nur für PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen, es gilt ebenso im Privaten, bei Müttern, Vätern, Geschwistern, Freunden. Wir alle haben die große Aufgabe im Leben, erwachsen zu werden und dabei unsere kindlichen Gefühle und Bedürfnisse zu identifizieren und zu heilen.

Der Schlüssel: Das Kind in dir muss Heimat finden

Der Bestseller von Stefanie Stahl „Das Kind in dir muss Heimat finden“ ist seit zehn Jahren auf dem Markt, hat sich über 3 Millionen Mal verkauft und ist zum achten Mal in Folge auf Platz eins der Jahresbestseller-Liste gelandet. Für mich ist das Buch eines der besten Werkzeuge, um die eigene Persönlichkeit zu verstehen und das Denken, Fühlen und Handeln zu identifizieren, einzuordnen und zu verändern. Ein echter Verdienst für die „Rettung“ der Menschheit. Warum? Weil wir gesellschaftlich nichts bewegen und verändern können, wenn wir uns selbst nicht erkennen.

Der Weg nach innen als Weg nach vorn

Warum kann die Arbeit mit unserem inneren Kind tatsächlich die „Menschheit“ retten? Diese Frage mag übertrieben klingen, doch je tiefer ich in das Thema Feminismus und Patriarchat eintauche, desto klarer wird mir, dass die großen Probleme unserer Welt Spiegelungen unserer ungeheilten inneren Landschaften sind.

Patriarchat ist Ausdruck von Schmerzen

Wenn wir von „Patriarchat“ sprechen, reden wir nicht nur von einem abstrakten System. In Wirklichkeit sprechen wir von einer Jahrtausende dauernden Ansammlung von Verhaltensweisen, die aus ungeheilten Wunden, unbewussten Ängsten und verdrängten Bedürfnissen entstehen. Die Macht- und Kontrollstrukturen um uns herum sind letztlich Manifestationen unserer inneren Konflikte, persönlich entstanden und kollektiv in gesellschaftliche Strukturen gepackt.

Patriarchat ist heute nichts Abstraktes „da draußen“, sondern etwas, das wir täglich spüren und leben. Es zeigt sich in der Gehaltsverhandlung, sprich weniger Lohn für Frauen für die gleiche Arbeit, in Meetings, wo Redeanteile ungleich verteilt sind oder Frauen automatisch das Protokoll führen sollen. Es manifestiert sich in der Politik (nur etwa ein Drittel der Sitze im Bundestag für Frauen) und zuhause, wo Frauen mehr als 50% mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten.

Was wir alle seit frühester Kindheit lernen, sind die ungeschriebenen Regeln dieses Systems: Für uns Mädchen heißt das oft „Sei lieb, sei leise, kümmere dich um andere zuerst“. Für Jungen hingegen „Sei stark, zeig keine Schwäche, setze dich durch“. Diese frühen Prägungen werden zu den inneren Stimmen, die uns ein Leben lang begleiten – bis wir sie bewusst erkennen und hinterfragen.

Die Verbindung: Patriarchat und inneres Kind

Genau hier liegt die entscheidende Verbindung zur inneren Kind-Arbeit: Die Muster, die Stefanie Stahl als typisch für unser „Schattenkind“ beschreibt – die Angst, zu viel Raum einzunehmen, die Sorge, nicht geliebt zu werden, wenn wir nicht „funktionieren“ – sind exakt die gleichen Verhaltensweisen, die besonders von Frauen gesellschaftlich erwartet werden.

Die Überlebensmuster, die wir als Kinder entwickeln mussten, werden im Patriarchat speziell bei Frauen belohnt und verstärkt: Zurückhaltung statt Selbstbehauptung, Anpassung statt Durchsetzung, Harmoniebedürfnis statt gesunder Konfliktfähigkeit. Was für ein Mist!

Warum so viele „erwachsene“ Menschen nicht erwachsen sind

Diese plötzlich aufkommende Scham, das Unterdrücken der eigenen Wünsche, das Gefühl „egoistisch“ zu sein, wenn man seine Bedürfnisse äußert… All diese Verhaltensweisen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Überlebensstrategien, die wir als Kinder entwickelt haben, um in einer Welt zurechtzukommen, die oft nicht auf unsere wahren Bedürfnisse eingestellt war.

Ich selbst arbeite seit etwa 25 Jahren an diesen kindlichen Prägungen. Mit der Geburt meines ersten Sohnes kamen so viele Dinge in mir hoch, dass ich mir das anschauen musste.

Die schmerzhafte Erkenntnis: Wir reproduzieren, was wir nicht heilen

Als junge Mutter wurde mir in meiner damaligen Konfusion und Haltlosigkeit zum Glück klar: Was ich mir jetzt nicht anschaue und heile, das gebe ich weiter. An mein Kind. Und das wollte ich auf keinen Fall. Was ich damals noch nicht wusste: Wir reichen all das nicht nur an unsere Kinder weiter, sondern auch an unsere Partner, an unser Umfeld – und letztlich an die Gesellschaft. Die patriarchalen Strukturen werden nicht nur von Männern und Machthabern aufrechterhalten, sondern von uns allen, die wir unbewusst die Muster reproduzieren, die uns eingeprägt wurden.

Die kollektive Dimension des inneren Kindes

Was Stefanie Stahl beschreibt, hat eine Dimension, die über das Individuelle hinausgeht. Wenn wir von „Schattenkind“ und „Sonnenkind“ sprechen, sprechen wir auch von kollektiven Erfahrungen. Besonders für Frauen gibt es nach meiner Erfahrung viele gemeinsame Schattenkind-Botschaften:

  • „Sei nicht zu laut“
  • „Nimm nicht zu viel Raum ein“
  • „Deine Wut ist unangemessen“
  • „Kümmere dich zuerst um andere“
  • „Dein Wert liegt in deinem Aussehen und deiner Fürsorglichkeit für andere“

Diese Botschaften bilden ein kollektives „Schattenland“, in dem viele Frauen ihr wahres Potential zurückhalten müssen.

Der revolutionäre Akt der Selbsterkenntnis

Hier liegt die revolutionäre Kraft der Selbsterkenntnis: Wenn wir verstehen, dass unsere persönlichen Kämpfe Teil eines größeren Musters sind, können wir beginnen, uns sowohl individuell als auch kollektiv herauszulösen.

Die Arbeit mit dem inneren Kind war für mich lange „nur“ ein Weg zur persönlichen Heilung. Doch jetzt verstehe ich mehr und mehr, dass sie darüber hinaus ein Weg des Widerstands gegen ein patriarchales System ist, das von unserer Unbewusstheit profitiert. Denn nichts bedroht patriarchale Strukturen mehr als Menschen – besonders Frauen – die ihre eigenen Muster durchschauen, ihre Stimme wiederfinden und ihre Grenzen setzen.

Vom persönlichen zum politischen Bewusstsein

In meiner eigenen Reise habe ich erfahren, wie die Heilung meines inneren Kindes meine Fähigkeit verändert hat, mit der Welt umzugehen. Wo ich früher aus unbewussten Mustern heraus funktionierte, kann ich heute selbstbewusstere Entscheidungen treffen. Ich „please“ nicht mehr oder zumindest nur noch selten.

Diese Bewusstheit hat verändert, wie ich meine Partnerschaft lebe, wie ich arbeite, wie ich kommuniziere. Auch dieser Blog ist eine „Errungenschaft“ dieser Arbeit. Mein „Schattenkind“ hatte immer den zentralen FETTEN Glaubenssatz: „Keiner interessiert sich für mich“ … kein Wunder, dass ich viele Ideen nicht verwirklichte.

Der Weg nach vorn: Kollektive Heilung

Wenn genügend von uns diesen Weg gehen – den Weg der bewussten Auseinandersetzung mit unseren Prägungen – wird sich etwas Fundamentales in unserer Gesellschaft verändern müssen. Denn Systeme können nur so lange bestehen, wie genügend Menschen unbewusst ihre Rollen darin spielen. Wichtig: Die Männer müssen hier mitmachen, denn ohne sie werden wir das Patriarchat nicht beenden können. Ich hoffe daher sehr, dass von den über 3 Millionen Leser*innen des Buches von Stefanie Stahl viele Männer sind, die wiederum andere Männer mitziehen.

Stell dir vor, was passieren würde, wenn Millionen von Menschen ihre alten Überlebensstrategien ablegen und aus ihrer authentischen Kraft heraus leben würden. Wenn wir nicht mehr aus Angst, Scham oder unerfüllten kindlichen Bedürfnissen heraus handeln würden, sondern aus einem tiefen Verständnis dessen, wer wir wirklich sind. Das wäre keine kleine Veränderung. Es wäre eine feministische Revolution!

Die befreiende Kraft weiblicher Wut – Warum niemand „Angry Women“ mag

Mein Handy piept und ich bekomme von meiner Freundin einen Videolink zugespielt. Ich öffne ihn sofort, sehe eine Frau im roten Lackoutfit, die mit wütendem Blick und aggressiver Stimme ihre Wut raus singt: „Angry women“ von YAENNIVER und Eunique.

Ich verfalle sofort der krassen Präsenz der Sängerinnen als auch der Musik, der Text holt mich mit jedem Wort ab. Zum Glück gehe ich gerade am Wasser spazieren und habe Zeit. Ich suche den Song auf meiner Musik-App und per Knopfdruck auf „Ewigschleife“ höre ich die wütende Frau immer und immer wieder. Die Worte dringen immer mehr zu mir, suchen sich den Weg bis tief in mein System:

„Mit jedem „Komm, lass mich ma‘ machen“ wird es immer stärker
Mit jedem „Mäuschen, ich erklär’s dir“ werd‘ ich nur noch härter
Mit jedem „Richtig geiler Arsch“ geht das immer tiefer
Alter, sag nicht, ich soll lächeln, denn das macht mich aggressiv,
Mann
Niemand mag Angry Women ..!

Wir sind nicht zu sensibel, zu empfindlich, wir sind wütend
Wir sind nicht menstruierend und hysterisch, wir sind wütend
Wir sind nicht zickig oder schlecht erzogen, wir sind wütend
Wir sind nicht impulsiv und ungefickt, nein, wir sind wütend
Niemand mag Angry Women …“

YAENNIVER – ANGRY WOMEN (Official Video)

Mir kommen die Tränen und meine Hand in der Manteltasche formt sich zur Faust. In mir kommt Wut hoch, so stark und so mächtig, dass ich froh bin, dass ich niemandem begegne.

Alle möglichen Bilder steigen in mir auf: Mein Vater, wie er meine Mutter wieder und wieder kleinmacht, mein Sportlehrer, der uns Mädchen bei der „Hilfestellung“ im Bockspringen immer an den Busen fasste, die junge Frau, die ich damals aus Angst vor ihrem Mann in das Frauenhaus gebracht habe, mein Chef, der mich in meinem ersten Job im Kopierraum angrabschte, der andere, der mir sagte, dass er mich nur wegen meines Aussehens eingestellt hat. Die Erinnerungen ploppen nur so in mir hoch, die Musik macht das möglich.

Die Wut ist da. Endlich.

Warum mag niemand „Angry Women“?

Warum endlich? Weil auch ich sie unterdrücke, oft unterdrückt habe. Weil ich auf meine Wut oft erschrockene und ablehnende Reaktionen bekommen habe. Weil wir Frauen sofort merken, dass unsere Wut fehl am Platze ist. Lautstarker Ärger, deutlich Position beziehen und dies womöglich noch mit Gesten und Worten unmissverständlich zu unterstreichen, gilt schnell als unweiblich. „Die hat ja Haare auf den Zähnen“ wird dann gesagt. Die Frau wird als anstrengend, zickig und vor allem unfeminin abgestempelt. Daher halte auch ich mich zurück, um nicht aufzufallen, um mich nicht auszugrenzen, um lieber unsichtbar statt auffallend zu sein. Wir Frauen sollen doch lieber sanft und lieb sein. Verständnisvoll und empathisch. Immer schön in der Liebe sein. So ist es gewollt.

Weibliche Wut ist nicht gesellschaftsfähig. Wenn wir Frauen Ärger oder Unzufriedenheit ausdrücken und das auch noch laut und mit deutlichen Gefühlswallungen und grimmigem Gesichtsausdruck, wird unsere Wut oft unter die Kategorie „zu emotional“ oder „hysterisch“ abgestempelt. Hysterie muss ich in diesem Zusammenhang mal googeln: „Die ‚hysterische Frau‘ ist ein Konstrukt, das bis ins antike Griechenland zurückreicht – der Begriff leitet sich vom griechischen Wort für Gebärmutter (hystera) ab. Schon damals wurde also weibliche Emotionalität als Krankheit betrachtet, die durch ein Organ verursacht wird, das nur Frauen besitzen.“ Krass!

Wut ist nicht gleich Wut

Ein Mann, der ordentlich auf den Tisch haut, ist „durchsetzungsstark“. Eine Frau, die dasselbe tut, ist „emotional instabil“. Ein Mann, der seine Meinung lautstark vertritt, ist „selbstbewusst“. Eine Frau mit der gleichen Verhaltensweise ist „aggressiv“ oder „schwierig“. Ein Mann, der Grenzen setzt, wird respektiert. Eine Frau wird als „zickig“ abgestempelt.

Beide Geschlechter haben Emotionen, doch der Ausdruck dieser wird unterschiedlich bewertet. Die Wut der Frauen wird dabei immer eher als Schwäche gesehen und als Ausdruck fehlender Souveränität. Oder noch schlimmer, sie wird hergeleitet aus Menstruationsproblemen, zu wenig Sex oder der Krise in den Wechseljahren. Ja, ja, die lieben Hormone.

Ich denke, dass fast jede Frau den Spruch „Na, die ist wohl schlecht gefickt“ entweder selber einstecken durfte oder Zeuge bei einer anderen Frau war. Und das ist nur ein Beispiel.

Die weibliche Wut ist unzähligen Stigmas behaftet, dabei ist Wut schlichtweg eine der Grundemotionen des Menschen, egal welchen Geschlechts. Wut ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl – sie ist ein unverzichtbares Warnsystem und eine lebenswichtige Ressource, besonders für Frauen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: Wut entsteht nicht zufällig. Sie ist ein Signal dafür, dass unsere persönlichen Grenzen verletzt wurden. In einer Welt, in der die Grenzen von Frauen seit Jahrtausenden systematisch missachtet werden, ist diese Signalfunktion überlebenswichtig. Anders als Trauer oder Angst, die uns oft nach innen ziehen oder erstarren lassen, gibt uns Wut Energie. Sie aktiviert uns körperlich und seelisch. Diese Energie ist der Treibstoff, den wir brauchen, um aus unterdrückenden Strukturen auszubrechen und Veränderungen anzustoßen – persönlich und gesellschaftlich.

Die Angst vor weiblicher Wut

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Unsere Gesellschaft hat Angst vor wütenden Frauen, weil Wut eine Kraft ist, die Veränderung bewirken kann. Weil eine wütende Frau nicht mehr bereit ist, sich anzupassen, zu lächeln, zu schlucken, zu dulden. Eine wütende Frau sagt „Genug!“ – und das ist bedrohlich für ein System, das davon profitiert, dass Frauen funktionieren und nicht aufbegehren.

Wut ist ein Signal, dass Grenzen überschritten wurden. Sie zeigt uns, dass etwas nicht stimmt – nicht mit uns, sondern mit der Situation, in der wir uns befinden. Sie ist ein gesunder Mechanismus, der uns schützt und uns die Energie gibt, für uns selbst einzustehen.

Doch statt diese Wut anzuerkennen, werden wir gelehrt, sie zu unterdrücken. Schon als kleine Mädchen lernen wir: Sei nett. Sei rücksichtsvoll. Stell deine Bedürfnisse zurück. Lächle.

Die unterdrückte Wut und ihre Folgen

Was passiert mit all der unterdrückten Wut? Sie verschwindet nicht einfach. Sie richtet sich nach innen und manifestiert sich in Depressionen, Ängsten, chronischen Schmerzen, Erschöpfung – all den „Frauenleiden“, die dann wieder individualisiert und als persönliches Problem behandelt werden.

Ich denke an all die Frauen, die ich kenne, die unter unerklärlichen körperlichen Beschwerden leiden. Die Freundin mit der chronischen Migräne. Die Kollegin mit dem Reizdarmsyndrom. Die Nachbarin mit der Fibromyalgie. Was hatten meine körperlichen Beschwerden der letzten Jahre damit zu tun? Wie viele Symptome sind eigentlich unterdrückte Wut, die keinen anderen Ausweg findet?

Die befreiende Kraft der Wut

Der Song von YAENNIVER spricht mir aus der Seele, weil er diese verdrängten Gefühle endlich benennt und ihnen Raum gibt. Er erlaubt MIR und uns Frauen, wütend zu sein – ohne Entschuldigung, ohne Abschwächung.

Und genau das brauchen wir, das brauche ich: Die Erlaubnis, unsere Wut zu spüren und zu zeigen. Nicht als destruktive Kraft, sondern als Katalysator für Veränderung. Als „Antenne“, die uns zeigt, wo etwas nicht stimmt. Als Energie, die uns antreibt, für uns selbst einzustehen.

Wut kann heilsam sein, wenn wir sie richtig nutzen. Sie kann uns helfen, alte Verletzungen zu verarbeiten. Sie kann uns die Kraft geben, Grenzen zu setzen. Sie kann uns verbinden in unserer gemeinsamen Erfahrung.

Von der Wut zur Veränderung

YEANNIVERs Song setzt meine Wut frei. Das Lied wird tagelang zu meinem Begleiter. Ich überlege, was ich mit dieser Energie tun werde. Welche Grenzen ich setzen muss. Welche Veränderungen ich anstoßen will. Dieser Blog ist ein Ergebnis dieses Prozesses.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir „Angry Women“ uns zusammentun. Dass wir unsere Wut nicht mehr verstecken, sondern sie als das anerkennen, was sie ist: ein gesunder Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt – nicht mit uns, sondern mit einer Gesellschaft, die uns für unsere natürlichen Reaktionen auf Ungerechtigkeit verurteilt.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir verstehen: Unsere Wut ist nicht das Problem. Sie ist der Anfang der Lösung.

Über die Autorin: Als „Happy Feminist“ teile ich auf diesem Blog „Read-Feel-Heal“ meine persönliche Reise in die Frauenbewegung und schaffe einen Raum, in dem wir gemeinsam lesen, fühlen und heilen können.

Mein Handy piept und ich bekomme von meiner Freundin einen Videolink zugespielt. Ich öffne ihn sofort, sehe eine Frau im roten Lackoutfit, die mit wütendem Blick und aggressiver Stimme ihre Wut raus singt: „Angry women“ von YAENNIVER.

Ich verfalle sofort der krassen Präsenz der Sängerin als auch der Musik, der Text holt mich mit jedem Wort ab. Zum Glück gehe ich grad am Wasser spazieren und habe Zeit. Ich suche den Song auf meiner Musik-App und per Knopfdruck auf „Ewigschleife“ höre ich die wütende Frau immer und immer wieder. Die Worte dringen immer mehr zu mir, suchen sich den Weg bis tief in mein System:
„Mit jedem „Komm, lass mich ma‘ machen“ wird es immer stärker
Mit jedem „Mäuschen, ich erklär’s dir“ werd‘ ich nur noch härter
Mit jedem „Richtig geiler Arsch“ geht das immer tiefer
Alter, sag nicht, ich soll lächeln, denn das macht mich aggressiv,
Mann
Niemand mag Angry Women 
..!

und dann ….

Wir sind nicht zu sensibel, zu empfindlich, wir sind wütend
Wir sind nicht menstruierend und hysterisch, wir sind wütend
Wir sind nicht zickig oder schlecht erzogen, wir sind wütend
Wir sind nicht impulsiv und ungefickt, nein, wir sind wütend

Niemand mag Angry Women …“

Mir kommen die Tränen und meine Hand in der Manteltasche formt sich zur Faust. In mir kommt Wut hoch, so stark und so mächtig, dass ich froh bin, dass ich niemandem begegne.
Alle möglichen Bilder steigen in mir auf: Mein Vater, wie er meine Mutter wieder und wieder kleinmacht, mein Sportlehrer, der uns Mädchen bei der „Hilfestellung“ im Bockspringen immer an den Busen fasste, die junge Frau, die ich damals aus Angst vor ihrem Mann in das Frauenhaus gebracht habe, mein Chef, der mich in meinem ersten Job im Kopierraum angrabschte, der andere, der mir sagte, dass er mich nur wegen meines Aussehens eingestellt hat. Die Erinnerungen ploppen nur so in mir hoch, die Musik macht das möglich.
Die Wut ist da. Endlich.

Warum mag niemand „Angry women“?

Warum endlich? Weil auch ich sie unterdrücke, oft unterdrückt habe. Weil ich auf meine Wut oft erschrockene und ablehnende Reaktionen bekommen habe. Weil wir Frauen sofort merken, dass unsere Wut fehl am Platze ist. Lautstarker Ärger, deutlich Position beziehen und dies womöglich noch mit Gesten und Worten unmissverständlich zu unterstreichen, gilt schnell als unweiblich. „Die hat ja Haare auf den Zähnen“ wird dann gesagt. Die Frau wird als anstrengend, zickig und vor allem unfeminin abgestempelt. Daher halte auch ich mich zurück, um nicht aufzufallen, um mich nicht auszugrenzen, um lieber unsichtbar statt auffallend zu sein. Wir Frauen sollen doch lieber sanft und lieb sein. Verständnisvoll und empathisch. Immer schön in der Liebe sein. So ist es gewollt.

Weibliche Wut ist nicht gesellschaftsfähig. Wenn wir Frauen Ärger oder Unzufriedenheit ausdrücken und dass auch noch laut und mit deutlichem Gefühlswallungen und grimmigem Gesichtsausdruck , wird unsere Wut oft unter die Kategorie „zu emotional“ oder „hysterisch“ abgestempelt. Hysterie muss ich in diesem Zusammenhang mal googlen: „Die „hysterische Frau“ ist ein Konstrukt, das bis ins antike Griechenland zurückreicht – der Begriff leitet sich vom griechischen Wort für Gebärmutter (hystera) ab. Schon damals wurde also weibliche Emotionalität als Krankheit betrachtet, die durch ein Organ verursacht wird, das nur Frauen besitzen.“ Krass!

Wut ist nicht gleich Wut

Ein Mann, der ordentlich auf den Tisch haut, ist „durchsetzungsstark“. Eine Frau, die dasselbe tut, ist „emotional instabil“. Ein Mann, der seine Meinung lautstark vertritt, ist „selbstbewusst“. Eine Frau mit der gleichen Verhaltensweise ist „aggressiv“ oder „schwierig“. Ein Mann, der Grenzen setzt, wird respektiert. Eine Frau wird als „zickig“ abgestempelt.

Beide Geschlechter haben Emotionen, doch der Ausdruck dieser wird unterschiedlich bewertet. Die Wut der Frauen wird dabei immer eher als Schwäche gesehen und als Ausdruck fehlender Souveränität. Oder noch schlimmer, sie wird hergeleitet aus Mentruationsproblemen, zu wenig Sex oder der Krise in den Wechseljahre. Ja, ja, die lieben Hormone.
Ich denke, dass fast jede Frau den Spruch „Na, die ist wohl schlecht gefickt“ entweder selber einstecken durfte oder Zeuge bei einer anderen Frau war. Und das ist nur ein Beispiel.

Die weibliche Wut ist unzähligen Stigmas behaftet, dabei ist Wut schlichtweg eine der Grundemotionen des Menschen, egal welchen Geschlechts. Wut ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl – sie ist ein unverzichtbares Warnsystem und eine lebenswichtige Ressource, besonders für Frauen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: Wut entsteht nicht zufällig. Sie ist ein Signal dafür, dass unsere persönlichen Grenzen verletzt wurden. In einer Welt, in der die Grenzen von Frauen seit Jahrtausenden systematisch missachtet werden, ist diese Signalfunktion überlebenswichtig. Anders als Trauer oder Angst, die uns oft nach innen ziehen oder erstarren lassen, gibt uns Wut Energie. Sie aktiviert uns körperlich und seelisch. Diese Energie ist der Treibstoff, den wir brauchen, um aus unterdrückenden Strukturen auszubrechen und Veränderungen anzustoßen – persönlich und gesellschaftlich.

Die Angst vor weiblicher Wut

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Unsere Gesellschaft hat Angst vor wütenden Frauen, weil Wut eine Kraft ist, die Veränderung bewirken kann. Weil eine wütende Frau nicht mehr bereit ist, sich anzupassen, zu lächeln, zu schlucken, zu dulden. Eine wütende Frau sagt „Genug!“ – und das ist bedrohlich für ein System, das davon profitiert, dass Frauen funktionieren und nicht aufbegehren.

Wut ist ein Signal, dass Grenzen überschritten wurden. Sie zeigt uns, dass etwas nicht stimmt – nicht mit uns, sondern mit der Situation, in der wir uns befinden. Sie ist ein gesunder Mechanismus, der uns schützt und uns die Energie gibt, für uns selbst einzustehen.

Doch statt diese Wut anzuerkennen, werden wir gelehrt, sie zu unterdrücken. Schon als kleine Mädchen lernen wir: Sei nett. Sei rücksichtsvoll. Stell deine Bedürfnisse zurück. Lächle.

Die unterdrückte Wut und ihre Folgen

Was passiert mit all der unterdrückten Wut? Sie verschwindet nicht einfach. Sie richtet sich nach innen und manifestiert sich in Depressionen, Ängsten, chronischen Schmerzen, Erschöpfung – all den „Frauenleiden“, die dann wieder individualisiert und als persönliches Problem behandelt werden.

Ich denke an all die Frauen, die ich kenne, die unter unerklärlichen körperlichen Beschwerden leiden. Die Freundin mit der chronischen Migräne. Die Kollegin mit dem Reizdarmsyndrom. Die Nachbarin mit der Fibromyalgie. Was hatten meine körperlichen Beschwerden der letzten Jahre damit zu tun? Wie viele Symptome sind eigentlich unterdrückte Wut, die keinen anderen Ausweg findet?

Die befreiende Kraft der Wut

Der Song von YAENNIVER spricht mir aus der Seele, weil er diese verdrängten Gefühle endlich benennt und ihnen Raum gibt. Er erlaubt MIR und uns Frauen, wütend zu sein – ohne Entschuldigung, ohne Abschwächung.

Und genau das brauchen wir, das brauche ich: Die Erlaubnis, unsere Wut zu spüren und zu zeigen. Nicht als destruktive Kraft, sondern als Katalysator für Veränderung. Als „Antenne“, die uns zeigt, wo etwas nicht stimmt. Als Energie, die uns antreibt, für uns selbst einzustehen.

Wut kann heilsam sein, wenn wir sie richtig nutzen. Sie kann uns helfen, alte Verletzungen zu verarbeiten. Sie kann uns die Kraft geben, Grenzen zu setzen. Sie kann uns verbinden in unserer gemeinsamen Erfahrung.

Von der Wut zur Veränderung

Yeannivers Song setzt meine Wut frei. Das Lied wird tagelang zu meinem Begleiter. Ich überlege, was ich mit dieser Energie tun werde. Welche Grenzen ich setzen muss. Welche Veränderungen ich anstoßen will. Dieser Blog ist ein Ergebnis dieses Prozesses.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir „Angry Women“ uns zusammentun. Dass wir unsere Wut nicht mehr verstecken, sondern sie als das anerkennen, was sie ist: ein gesunder Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt – nicht mit uns, sondern mit einer Gesellschaft, die uns für unsere natürlichen Reaktionen auf Ungerechtigkeit verurteilt.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir verstehen: Unsere Wut ist nicht das Problem. Sie ist der Anfang der Lösung.


Die „Ewig Heilende Frau“ – Warum weibliche Heilung persönlich UND politisch ist

Was für eine neue Reise! Es ist gerade so, als wenn ich einen neuen Planeten betrete und erforsche. Oder mir eine neue Brille gegeben wurde, durch die ich die Welt jetzt anders sehe… So ist es wohl, wenn man einen wirklich großen Bewusstseinssprung macht. In mir kommen so viele Erinnerungen hoch: Meine Kindheit, das ‚Role Model‘ meiner Mutter und all der anderen Frauen damals in meiner Familie und Umfeld. Da war absolut NIX in Richtung Feminismus, nada!

Und auch nicht im Studium der Politischen Wissenschaften (obwohl ich in der linken Ecke war). Ich war glaube ich zu sehr mit mir als junge Frau beschäftigt, wollte ankommen, gesehen und geliebt werden. Mein Gott, was war ich angepasst! Mir tut diese Frau von damals gerade so leid, was sie alles ertragen musste an Sprüchen, Grabschereien, Unterdrückung. All das hatte ich bis vor ca einem Jahr nie so in mein Bewusstsein gelassen, ich meine das strukturell patriarchalische, das mich geformt bzw. mich begrenzt hat.

Es wird Zeit, das alles anzuschauen, zu untersuchen und auch zu heilen. Denn es geht nicht nur um unsere persönliche Heilungsgeschichte, es geht um die historische und gesellschaftliche Heilung von uns Frauen.

Der ewige Heilungsmodus: Wenn das Opfer zur Patientin wird

Mir kam vor einigen Tagen der Begriff „Die ewig heilende Frau“ in den Kopf und ich wusste sofort, dass ich darüber schreiben wollte. Was meine ich mit der „ewig heilenden Frau“? Ich habe persönlich und aus meinem Umfeld und meiner Arbeit mit Frauen das Gefühl, dass wir alle eine Last tragen, uns von vielen Dingen heilen zu müssen. Und wir haben den Wunsch, dass wir endlich in einem schmerzfreien, leichten Leben ankommen, wenn wir uns alles in unserer Biografie angeschaut haben. Es fühlt sich an, als wenn es ewig braucht, die alte „Scheiße“ zu kurieren und es fühlt sich an, als wenn es nie aufhört, das eigenen Lebensglück zu belasten. Doch die Dimension ist größer, viel größer. Ich meine mit der „ewig heilenden Frau“, dass wir Frauen in einem endlosen Kreislauf der Selbstheilung gefangen sind – von Wunden, die uns auch (oder vor allem?) das patriarchale System zugefügt hat und weiterhin zufügt.

„Da hat sie schon wieder Kopfschmerzen.“ „Sie ist einfach zu empfindlich.“ „Sie sollte mal zum Therapeuten gehen.“ „Typisch Frau, immer diese Stimmungsschwankungen.“

Kennt ihr solche Sätze? Was hier passiert, ist perfide: Die Auswirkungen gesellschaftlicher Strukturen werden auf die einzelne Frau individualisiert. Wir funktionieren, nehmen die Aufgabe der Care-Arbeiterin in der Familie und Gesellschaft an, stellen unsere Bedürfnisse für die Gemeinschaft zurück, tragen den biologischen und körperlichen Preis von Schwangerschaft, Stillen, Muttersein und den Wechseljahren und schlagen uns in frauenfeindlichen Arbeitsumfeldern durch, um dort „unseren Mann“ zu stehen. Das System verletzt uns und sagt uns dann, dass wir das Problem sind. Dass wir uns heilen müssen. Immer und immer wieder.

Wir werden zu „ewig Heilenden“ gemacht – nicht weil wir defekt sind, sondern weil das System defekt ist.

Die Individualisierung kollektiver Traumata

Und wir tragen diese historische Wunde in uns, kollektiv, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Die Geschichte der Frauen ist eine Geschichte der systematischen Unterdrückung. Von den Hexenverfolgungen, bei denen schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen – zu etwa 80% Frauen – in Europa hingerichtet wurden, bis hin zu den alltäglichen Einschränkungen weiblicher Freiheit.

Hier sind weitere Beispiele für historische alltägliche Einschränkungen weiblicher Freiheit, die bis heute nachwirken:

  • Eigentumsrechte: Bis ins 20. Jahrhundert konnten Frauen in vielen Ländern kein eigenes Vermögen besitzen. In Deutschland wurde erst 1958 das Letztentscheidungsrecht des Ehemanns über Vermögensfragen abgeschafft.
  • Wahlrecht: Frauen erhielten in Deutschland erst 1918 das Wahlrecht, in der Schweiz sogar erst 1971 auf Bundesebene.
  • Berufsverbote: Bis in die 1970er Jahre benötigten verheiratete Frauen in Deutschland die Erlaubnis ihres Ehemannes, um arbeiten zu dürfen.
  • Bildungszugang: Universitäten waren für Frauen lange verschlossen – in Deutschland wurden Frauen erst ab 1900 zum Studium zugelassen.
  • Reproduktive Rechte: Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper war lange nicht gegeben – Verhütungsmittel waren bis in die 1960er Jahre in vielen Ländern verboten oder nur schwer zugänglich.
  • Medizinische Forschung: Frauen wurden systematisch aus medizinischen Studien ausgeschlossen, was bis heute zu Wissenslücken bei frauenspezifischen Krankheitsbildern führt (das wird hier im Blog auch noch ein Thema!!!)
  • Kleidungsvorschriften: Die Bewegungsfreiheit von Frauen wurde durch einengende Kleidung wie Korsetts eingeschränkt, und ihr Erscheinungsbild strengen sozialen Normen unterworfen.
  • Verhaltensnormen: „Anständige“ Frauen durften nicht allein reisen, ausgehen oder bestimmte öffentliche Orte besuchen. Uns wurde beigebracht, zurückhaltend zu sprechen, nicht zu widersprechen und Meinungen als Fragen zu formulieren.
  • Lohnungleichheit: Frauenarbeit wurde systematisch unterbewertet – Fabrikarbeiterinnen erhielten oft nur die Hälfte des Lohns ihrer männlichen Kollegen.
  • Altersarmut: Die Kombination aus Lohnungleichheit, unbezahlter Care-Arbeit und unterbrochenen Erwerbsbiografien führte zu struktureller Altersarmut.
  • Kreative Unterdrückung: Schriftstellerinnen mussten unter männlichen Pseudonymen veröffentlichen (George Eliot, George Sand).
  • Wissenschaftliche Marginalisierung: Weibliche Wissenschaftlerinnen wurden ausgeschlossen oder ihr Beitrag nicht anerkannt (z.B. Rosalind Franklin bei der DNA-Entdeckung).
  • Pathologisierung von Intellekt: Frauen, die intellektuelle Interessen verfolgten, wurden als „unweiblich“ oder gesundheitlich gefährdet betrachtet.

Doch was passiert heute mit diesem kollektiven Trauma? Es wird zu einem persönlichen „Problem“ umgedeutet:

So kommt es dazu, dass die Frau, die unter den Folgen sexueller Belästigung leidet, in die Therapie kommt, anstatt dass die Gesellschaft das Problem der Belästiger löst. Oder dass die Frau, die unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie zusammenbricht, einen „Burnout“ diagnostiziert bekommt, anstatt dass wir die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit hinterfragen. Und die Frau, die wütend wird angesichts alltäglicher Diskriminierung, „überempfindlich“ genannt, anstatt dass wir ihre berechtigte Wut anerkennen. Es ist, als würden wir einer Frau, die wiederholt geschlagen wird, Schmerzmittel geben, anstatt den Schläger zu stoppen.

Die historische Dimension des ewigen Heilens

Diese Muster haben eine lange Geschichte. Im Mittelalter wurden rebellische Frauen als „hysterisch“ bezeichnet – ein Begriff, der vom griechischen Wort für Gebärmutter stammt. Die „Behandlung“ bestand oft aus brutalen Methoden wie Zwangseinweisungen oder gar Genitalverstümmelungen.

Im 19. Jahrhundert wurde die „weibliche Hysterie“ zu einer gängigen Diagnose für praktisch jedes „unerwünschte“ weibliche Verhalten – von sexuellem Verlangen über intellektuelle Ambitionen bis hin zu Reizbarkeit und Müdigkeit.

Freud selbst bezeichnete die Hysterie als „das klassische weibliche Neurosemodell“ – und obwohl seine Arbeit bahnbrechend war, vertrat er auch die Idee, dass das Problem in uns Frauen selbst liege, nicht in den Bedingungen, unter denen wir lebten.

Heute haben wir modernere Begriffe, aber das Grundmuster bleibt: Frauen tragen die Last, sich von den Wunden zu erholen, die ein ungerechtes System ihnen zufügt.

Die Doppelbelastung der heilenden Heilerin

Das Perverse daran? Frauen werden nicht nur zu „ewigen Patientinnen“ gemacht – sie sind gleichzeitig auch die primären Heilerinnen der Gesellschaft: Weltweit stellen Frauen etwa 70% der Pflegekräfte im Gesundheitswesen. In Deutschland liegt der Anteil der Frauen in Pflegeberufen bei über 80%. Die „Mental Load“ – die emotionale Arbeit in Beziehungen und Familien – wird überwiegend von Frauen getragen.

Wir sollen also gleichzeitig die Wunden der Welt heilen UND uns von unseren eigenen erholen. Ein Wahnsinn! Eine unmögliche Aufgabe, die uns in einem Zustand permanenter Erschöpfung hält.

Persönliche Heilung ist politisch – aber nicht ausreichend

Versteht mich nicht falsch: Persönliche Heilungsarbeit ist wichtig und notwendig. Meditation, Therapie, Selbstfürsorge – all das ist unglaublich wertvoll. Ich selber habe mich seit über 20 Jahren mit meiner Heilung kindlicher Traumata beschäftigt und auch andere Frauen darin begleitet.

Aber seit einiger Zeit wird mir klar: Wenn wir glauben, dass unsere Heilung nur eine persönliche Angelegenheit ist, fallen wir in die Falle des Systems. Die wahre Heilung erfordert beides: persönliche UND kollektive Transformation.

Die US-amerikanische radikalfeministische Aktivistin Carol Hanisch, die in den späten 1960er Jahren und während der 1970er Jahre eine zentrale Figur der zweiten Welle der Frauenbewegung in den Vereinigten Staaten war, prägte in den 1970er Jahren den Slogan „Das Persönliche ist politisch“. Diese Erkenntnis ist heute so relevant wie damals: Unsere „persönlichen“ Probleme sind Ausdruck politischer und gesellschaftlicher Ungleichheiten.

Vom Symptom zur Ursache: Die Verschiebung der Perspektive

Ich habe mich lange gefragt, warum ich mich öfter mal erschöpft fühle, warum ich diese Unsicherheit in mir habe oder die fehlende Klarheit in dem, was ich will. Warum ich trotz Selbstfürsorge, trotz Therapie, trotz all der Arbeit an mir selbst immer wieder an ähnliche Grenzen stoße. Jetzt verstehe ich immer mehr: Es liegt nicht (nur) an mir.

Es liegt an einem System, das von mir erwartet:

  • Perfekt zu funktionieren in einer Welt, die nicht für mich gemacht wurde
  • Mich anzupassen an Normen, die männliche Erfahrungen privilegieren
  • Ständig zwischen widersprüchlichen Erwartungen zu navigieren
  • Meine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um hauptsächlich für andere da zu sein

Kein Wunder, dass wir Frauen ausgelaugt sind. Kein Wunder, dass wir heilen müssen. Aber die Lösung kann nicht sein, dass wir immer besser darin werden, mit unmöglichen Bedingungen umzugehen. Die Lösung muss sein, die Bedingungen zu verändern. Yoga und Meditation reicht verdammt noch mal eben nicht aus!

Kollektive Heilung bedeutet kollektiver Widerstand

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass wir über die individuelle Heilung hinausgehen müssen. Wir sind aufgerufen:

  • Bewusstsein zu schaffen: Erkennen, dass unsere „persönlichen“ Probleme oft strukturelle Ursachen haben.
  • Gemeinschaft zu bilden: Uns mit anderen Frauen verbinden und unsere Erfahrungen teilen, um die Muster zu erkennen. Dazu lade ich hiermit ein!
  • Das System zu benennen: Klar an unterschiedliche Adressaten zu artikulieren, dass das Problem nicht bei uns liegt, sondern in den Strukturen, die uns unterdrücken bzw. uns nicht entfalten lassen.
  • Grenzen zu setzen: Nein sagen zu unrealistischen Erwartungen und ausbeuterischen Dynamiken. Gerade in beruflichen Kontexten!
  • Forderungen zu stellen: Konkrete Veränderungen einfordern – von gleicher Bezahlung bis hin zur gerechten Verteilung von Care-Arbeit.
  • Solidarität zu üben: Andere Frauen unterstützen, ihre Erfahrungen wertschätzen und anerkennen und gemeinsam für Veränderung eintreten.

Der Weg nach vorne: Von der ewigen Heilung zur nachhaltigen Transformation

Gibt es eine gute Nachricht dabei? Ja, denn dieser Bewusstseinswandel hat bereits begonnen. Immer mehr Frauen (und auch Männer) erkennen, dass das persönliche Wohlbefinden untrennbar mit gesellschaftlicher Gerechtigkeit verbunden ist.

Statt uns immer besser an ein kaputtes System anzupassen, können wir gemeinsam an einem System arbeiten, das uns nicht mehr verletzt:

  • Eine Gesellschaft, die Care-Arbeit wertschätzt und gerecht verteilt
  • Strukturen, die unterschiedliche Lebenserfahrungen respektieren
  • Institutionen, die auf die Bedürfnisse aller Menschen ausgerichtet sind
  • Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt und Gleichwertigkeit basieren

Meine persönliche Erkenntnis

Seitdem ich begann, meine eigenen Erfahrungen durch diese Brille zu betrachten, ändert sich etwas Grundlegendes in mir. Ich höre immer mehr auf, mich selbst für meine Erschöpfung, meine Wut, meine Unklarheit, meine Sprunghaftigkeit, meine „Überempfindlichkeit“ zu verurteilen.

Ich erkenne: Es ist nicht mein Versagen, dass ich mich in dieser Welt manchmal verloren fühle. Es ist das Versagen eines Systems, das nicht für mich als Frau gemacht wurde.

Diese Erkenntnis ist zutiefst befreiend. Sie nimmt mir nicht die Verantwortung für mein Leben ab – aber sie gibt mir die richtige Perspektive, um zu verstehen, womit ich eigentlich kämpfe.

Ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln

Die „ewig heilende Frau“ – das bin ich, das bist du, das sind wir alle, die in einem ständigen Prozess der Genesung von den Wunden des Patriarchats leben.

Aber wir können aus diesem Kreislauf ausbrechen. Nicht indem wir aufhören zu heilen, sondern indem wir verstehen, dass unsere Heilung nicht nur persönlich, sondern auch politisch ist. Dass wir nicht nur uns selbst, sondern auch die Gesellschaft transformieren müssen.

Es ist eine große Aufgabe, ja. Aber wir müssen sie nicht allein bewältigen. Wir können es gemeinsam tun, Schritt für Schritt, Tag für Tag.

Ich lade dich ein, Teil dieser Bewegung zu sein. Teil einer Gemeinschaft von Frauen, die sich weigern, die alleinige Verantwortung für ihre Heilung zu übernehmen, und die stattdessen mutig auf die wahren Ursachen ihrer Verletzungen zeigen.

Denn nur wenn wir die Wurzeln des Problems erkennen, können wir nachhaltige Heilung finden – für uns selbst und für alle Frauen, die nach uns kommen.

Fühlst du dich auch manchmal wie eine „ewig heilende Frau“? Hast du erkannt, dass deine persönlichen Herausforderungen vielleicht strukturelle Ursachen haben? Teile deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren. Deine Geschichte könnte anderen Frauen helfen, ihre eigene Situation besser zu verstehen.


Über die Autorin: Als „Happy Feminist“ teile ich auf diesem Blog „Read-Feel-Heal“ meine persönliche Reise in die Frauenbewegung und schaffe einen Raum, in dem wir gemeinsam lesen, fühlen und heilen können.

Sätze, die wir Frauen nicht mehr hören wollen: Ein Blick auf Alltagssexismus durch Sprache

Unsere Sprache ist weitaus mehr als nur ein Kommunikationsmittel – sie formt unsere Realität, prägt unser Denken und spiegelt gesellschaftliche Strukturen wider.

Besonders deutlich wird dies bei Sätzen, die wir Frauen im Alltag immer wieder zu hören bekommen. Diese scheinbar harmlosen Aussagen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Manifestationen von Alltagssexismus, die Stereotype festigen und zur Marginalisierung beitragen.

Was Frauen wirklich nicht mehr hören können

In einer kleinen Umfrage auf Instagram habe ich Frauen gefragt, welche Sätze sie nicht mehr hören können. Die Resonanz war sofort da – hier sind einige der Beispiele:

  • „Wenn du lächelst, siehst du viel schöner aus.“
  • „Du bist so emotional.“
  • „Du bist so kompliziert.“
  • „Hab´ dich doch nicht so!“
  • „Hast du deine Tage oder warum bist du so zickig?“
  • „Du bist ja eh´ immer schwanger“

Diese Sätze sind keine Einzelfälle, sondern Teil eines größeren Musters. Sie enthalten verborgene Botschaften, die leider – immer noch !- tief in unserer Gesellschaft verankert sind:

Weitere typische Aussagen, die Frauen regelmäßig begegnen:

  • „Du solltest mehr lächeln.“ – Als ob das emotionale Wohlbefinden anderer die Verantwortung von uns Frauen wäre.
  • „Das ist aber ein männlicher Beruf/Hobby.“ – Eine subtile Grenzziehung, was für Frauen „angemessen“ sei.
  • „Für eine Frau machst du das aber gut.“ – Ein „Kompliment“, das gleichzeitig die Erwartung niedrigerer Fähigkeiten bei Frauen impliziert.
  • „Wer kümmert sich um die Kinder, wenn du arbeitest?“ – Eine Frage, die Männern selten gestellt wird.
  • „Das musst du deinem Mann/Freund aber erst erlauben lassen.“ – Die Annahme, dass Frauen nicht autonom entscheiden.
  • „Du klingst wie eine typische Feministin.“ – Oft als Abwertung verwendet, um berechtigte Kritik zu delegitimieren.

Ich habe am eigenen Leibe erlebt, wie prägend diese Sätze für mein Leben waren. In meinem ersten Anstellungsverhältnis als 23 jährige junge Frau in einer PR-Agentur hat mir mein Chef ein halbes Jahr nach meinem Berufsstart beim Lesen eines Pressetextes, den ich verfasst hatte, den Satz um die Ohren geknallt „Na ja, eingestellt haben wir dich ja sowieso eher nach deinem Aussehen…“. Wums! Das hat reingehauen, nachdem ich vorher an allen Journalistenschulen abgelehnt worden war, gab mir das noch mal „Brief und Siegel“ für meine Unfähigkeit, zu schreiben oder überhaupt was zu können. Die Wirkung hält bis heute an… (und es kamen noch viele Sätze danach dazu!)
Einen ähnlichen Satz habe ich vor ein paar Tagen von der Influencerin Alexa van Heyden gehört, die von ihrem Chefredakteur den Kommentar bekam: „Du bist schön, aber schreiben kannst du nicht.“

Die Wissenschaft hinter dem Alltagssexismus

Die Auswirkungen dieser Sprachmuster sind nicht zu unterschätzen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus 2023 erleben 90% der Frauen in Deutschland verbale Formen von Alltagssexismus. Die psychologischen Folgen sind real:

  • 68% der betroffenen Frauen berichten von negativen Auswirkungen auf ihr Selbstwertgefühl
  • 42% geben an, dass diese Erfahrungen ihre berufliche Selbstwirksamkeit beeinträchtigen
  • 73% haben Strategien entwickelt, um bestimmten Situationen auszuweichen, in denen sie Sexismus erwarten

Die Linguistin Dr. Luise F. Pusch analysiert seit Jahrzehnten, wie Sprache Geschlechterverhältnisse prägt. Dabei wird klar, dass Sprache nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern auch ein Werkzeug ist, mit dem wir die Gesellschaft formen.

Mikro-Aggressionen mit Makro-Wirkung

Was diese Sätze so tückisch macht, ist ihre scheinbare Harmlosigkeit. Oft als Scherz oder Kompliment getarnt, fallen sie in die Kategorie der „Mikro-Aggressionen“ – kleine, oft unbewusste Äußerungen, die diskriminierende Botschaften transportieren.

Die Psychologin Dr. Derald Wing Sue beschreibt Mikro-Aggressionen als „alltägliche verbale, nonverbale und umweltbedingte Kränkungen, Beleidigungen und Herabwürdigungen, ob intentional oder nicht, die feindliche, abwertende oder negative Botschaften an Zielpersonen allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit vermitteln.“ 1

Sprachliche Gewalt im digitalen Raum

Im digitalen Zeitalter hat Alltagssexismus neue Dimensionen angenommen. Die Kommentarspalten unter Beiträgen von Frauen in sozialen Medien sind oft geprägt von sexistischen Bemerkungen wie:

  • „Typisch Frau, keine Ahnung, aber Hauptsache mitreden.“
  • „Sie sollte lieber in der Küche bleiben als ihre Meinung zu äußern.“
  • „Was erwartest du mit diesem Profilbild/Outfit?
  • „Typische Frauenlogik“
  • „Jetzt spielt sie wieder die Opferkarte“
  • „Wenn sie so aussieht, sollte sie froh sein, überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen“
  • „Die braucht nur mal einen richtigen Mann, dann hört das Gejammer auf“

Feministische Influencerinnen sind echte Opfer dieser verbalen Aggressionen und leiden darunter. Die Kommentare sind oftmals viel, viel krasser und als echte sprachliche Gewalt zu bezeichnen.

Diese digitale Dimension des Alltagssexismus führt leider auch dazu, dass Frauen sich aus öffentlichen Diskussionen zurückziehen. Auch ich habe bisher nicht den Mut gehabt, mich feministisch zu äußern aus Angst vor Anfeindungen und verbaler Gewalt.

Gegenstrategien?

Wie reagieren wir auf diese Sätze, die wir nicht hören wollen, die uns klein halten, bewerten, diskriminieren, verletzen?
Eine Followerin fragte mich, ob man ebenso mit Hass, Verbitterung, Anfeindung reagieren sollte oder wie man es schaffe, dabei in der Liebe zu bleiben?
Damit eines klar ist: Wir Frauen müssen nicht immer in der Liebe bleiben, wird dürfen und sollen bzw. müssen uns wehren, es ansprechen, aussprechen, verbieten, stoppen.
Doch wir haben die Aufgabe, gut für uns uns unseren Energiehaushalt und Seelenfrieden zu sorgen. Meine Idee:

  • Nachfragen: „Was meinst du damit jetzt genau?“
  • Spiegeln: „Ist dir bewusst, wie das klingt, was du da sagst?“
  • Grenzen setzen: „Solche Kommentare möchte ich nicht hören. Hör´ auf damit. Entschuldige dich dafür“
  • Humor einsetzen: Manchmal kann eine humorvolle Reaktion Spannungen lösen und gleichzeitig die Problematik aufzeigen.
  • Rollentausch: Den anderen so behandeln, kommentieren, wie er es mit dir gemacht hat.

Wenn Wut hoch kommt, ist das normal und gut. Wir dürfen wütend sein, die Faust in der Tasche haben. Atmen hilft, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Was sind deine Erfahrungen mit solchen Sätzen? Hast du eigene Strategien entwickelt, um mit Alltagssexismus umzugehen? Teile deine Gedanken in den Kommentaren, schreibe mir eine Mail und werde Teil der Diskussion.
Und empfehle diesen Blog gerne weiter! Danke!

Wichtig ist, dass wir uns mitteilen und miteinander teilen, was wir erleben, fühlen und wie wir heilen können.


Über mich: Als „Happy Feminist“ möchte ich Frauen auf meiner Reise in die Frauenbewegung mitnehmen. Dieser Blog „Read-Feel-Heal“ soll ein Raum sein, in dem wir gemeinsam lesen, fühlen und heilen können.

  1. Sue, D. W. (2010). Microaggressions in Everyday Life: Race, Gender, and Sexual Orientation ↩︎

Am Anfang war das Wort: Happy feminist!

Alles hat einen Anfang. Wirklich alles. Genauso wie alles ein Ende hat.

Und manchmal knüpft eines an das andere an. Ich verabschiede mich gerade von ziemlich viel, das ziemlich viel mehr Gewicht und Bestand hatte in meinem Leben.

Ich hatte alles vor ein paar Wochen auf „Reset“ gestellt. Frei nach den Textzeilen von Roger Ciceros Song „Was immer auch kommt“:
Ich werd mich heut von mir trennen und lern mich morgen neu kennen„.

Ich suche das Lied auf Spotify während ich das hier schreibe. Um mich selber zu supporten in meinem Drang, das Alte endgültig zu verabschieden und Neues entstehen zu lassen:
Es gibt noch kein Wort, mich neu zu beschreiben… Ich werde mich löschen und selbst überleben„.

JA, ich habe meine Internetseite gelöscht, die mich nun fast 15 Jahre als Coach und Wegbegleiterin gezeigt hat. Doch dies hatte seine Zeit, für die ich sehr dankbar bin. Das bin ich nicht mehr.

Wie der Songtext schon sagt: „Es gibt noch kein Wort, mich neu zu beschreiben.

Doch plötzlich ist es da, dieses Wort. Und es haut mächtig rein in mein System. Das Wort, das plötzlich da ist, ist FEMINISTIN.

Ich erschrecke mich selbst, denn bis dato hatte dieses Wort einen leicht modrigen Klang, fast verstaubt. Meine Assoziationen damit waren nicht sehr positiv und mich selber so zu bezeichnen, wäre mir im Leben nicht freiwillig eingefallen. Aber manchmal werden einem halt die Dinge geschenkt und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Und ich bin weise und intuitiv genug, zu fühlen, dass das jetzt kein Zufall ist, sondern mehr… Ich fühle mich wie Sterntaler 🙂

Ich setze vor Feministin noch das Wort „Happy“ und aus Feministin wird „feminist“, da englische Worte schon seit jeher tiefer gehen bei mir.

Yes! Das bin ich. Das war ich auch schon vorher, ohne es je auszusprechen.

Am Anfang war das Wort. Ja, ich weiß, das das aus der Bibel stammt und Nein, ich entschuldige mich jetzt nicht dafür, dass ich das hier zitiere. Es passt einfach für mich. Denn es drückt aus, dass die Worte zuerst da sind und sich dann ihren Raum nehmen. Sie kommen zu uns und entfalten ihre Wirkung und erst nach und nach verstehen und anerkennen wir ihre Daseinberechtigung.

I am a happy feminist!

Das Alte ist gelöscht und das neue darf leben! Jetzt heißt es: Lesen, neugierig sein, fragen, zuhören, um die Ecke schauen, unter der Oberfläche nachforschen… Und alles in meine Worte fassen…

Oder um es mit Roger zu sagen:
Der Moment in dem du alles stornierst,
ist der Moment, indem du kapierst,
Was immer auch kommt, es kommt mir entgegen


Viel Spaß mit meinen Worten, Texten, Gedichten, Büchern und Geschichten!